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Grüne fordern Entschädigung für ehemalige Heimkinder

24.04.2007: KNA-Meldung vom 2007-04-23 16:32

Berlin (KNA) Die Grünen fordern für Heimkinder, denen in den 50er- und 60er Jahren Unrecht widerfahren ist, eine Entschädigung. Dazu streben sie nach Angaben des Berliner "Tagesspiegel" (Dienstag) die Errichtung einer Bundesstiftung an. Mehr als eine halbe Million Menschen seien damals in solchen Einrichtungen "unter gruseligen Bedingungen eingesperrt worden", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast dem Blatt.

In einem Antrag, den die Fraktion am Dienstag verabschieden will, verlangen die Grünen, dass der Staat sowie Kirchen und Wohlfahrtverbände als Träger der Heime die Stiftung finanzieren. "Der Bundestag muss das Unrecht, das ihnen angetan wurde, anerkennen, ihre Geschichte muss aufgearbeitet und sie selbst müssen entschädigt werden", betonte Künast.


Misshandlungen

Der Bundestag solle ausdrücklich feststellen, "dass Menschen bis in die Mitte der 70er Jahre durch Heimunterbringung systematisch Entwürdigung und Misshandlung unterworfen waren", forderte die Grünen-Politikerin. Viele der ehemaligen Heimkinder litten noch heute "unter massiven psychischen und körperlichen Misshandlungen und manchmal auch unter sexuellem Missbrauch". Zugleich appellierte sie an die Träger der Heime, "sich ihrer Verantwortung zu stellen und sich für das Unrecht zu entschuldigen".

Der Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen (BVkE) hatte im vergangenen Jahr erklärt, dass Misshandlungen keine generelle Praxis in kirchlichen Heimen gewesen seien. Es handele sich um "Einzelfälle, die sich allerdings mächtig häufen". Caritas-Präsident Prälat Peter Neher hatte im die Bereitschaft seines Verbandes betont, ehemalige Heimkinder bei der Aufarbeitung ihres Schicksals oder etwaiger Traumatisierungen zu unterstützen. Kürzlich erhob die Staatsanwaltschaft Aachen gegen elf ehemalige Heimkinder eines kirchlichen Kinderheims wegen der von ihnen erhobenen unbewiesenen schweren Missbrauchsvorwürfe Anklage. Der Vorwurf lautet auf Betrug.